Hypnosystemisches Coaching
- Bachmann Sibylle

- 18. März
- 5 Min. Lesezeit
Ein Weg zu innerer Klarheit, Selbstwirksamkeit und lebendiger Veränderung
Hypnosystemisches Coaching ist ein Ansatz, der Menschen auf eine zutiefst respektvolle, ressourcenorientierte und kreative Weise begleitet. Er verbindet systemisches Denken mit hypnotherapeutischen Prinzipien und schafft dadurch einen Raum, in dem innere Kompetenzen wieder spürbar werden.
Dieser Blog beleuchtet die Grundlagen des hypnosystemischen Ansatzes, seine Geschichte, die Rolle von Dr. Gunther Schmidt und die besondere Bedeutung offener Fragen. Gleichzeitig lädt er dazu ein, die eigene innere Welt mit neuen Augen zu betrachten – neugierig, achtsam und mit einem liebevollen Blick auf das, was bereits da ist.
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Was bedeutet „hypnosystemisch“?
Der Begriff hypnosystemisch beschreibt die Verbindung zweier Ansätze, die sich gegenseitig verstärken:
1. Der hypnotherapeutische Ansatz
Er geht auf die Arbeit von Milton H. Erickson zurück und basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch über unbewusste Ressourcen verfügt, die in schwierigen Situationen zugänglich gemacht werden können.
Hypnotherapie bedeutet dabei nicht, jemanden „in Trance zu versetzen“, sondern natürliche Fokussierungszustände zu nutzen, die wir alle kennen – etwa beim Tagträumen, beim Vertiefen in ein Gespräch oder beim kreativen Arbeiten.

Zentrale Elemente sind:
Arbeit mit inneren Bildern und Metaphern
Aktivierung unbewusster Kompetenzen
Respektvolle, permissive Sprache
Orientierung an Lösungen statt an Problemen
Nutzung von Trance als natürlichem Aufmerksamkeitsfokus
2. Der systemische Ansatz
Die systemische Perspektive betrachtet Menschen nicht isoliert, sondern eingebettet in Beziehungen, Rollen und Kontexte. Probleme werden nicht als Eigenschaften einer Person verstanden, sondern als Muster, die in bestimmten Situationen entstehen.
Wesentliche Aspekte sind:
Kontextsensibilität
Zirkuläres Denken
Betrachtung von Wechselwirkungen
Fokus auf Ressourcen und Ausnahmen
Entwicklung neuer Bedeutungsrahmen
Das hypnosystemische Coaching verbindet diese beiden Welten zu einem Ansatz, der sowohl tief innerlich wirkt als auch äussere Systeme berücksichtigt. Es ist ein Modell, das Menschen einlädt, ihre innere Vielfalt zu würdigen und neue Handlungsspielräume zu entdecken.
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Gunther Schmidt: Der Begründer des hypnosystemischen Ansatzes
Dr. Gunther Schmidt (*1945) ist Arzt, Volkswirt, systemischer Familientherapeut und einer der einflussreichsten Gestalter moderner Beratungs- und Coachingmethoden im deutschsprachigen Raum.
Seine Arbeit ist geprägt von einer aussergewöhnlichen Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und gleichzeitig humorvoll, menschlich und klar zu bleiben.
Ein Weg zwischen Medizin, Wirtschaft und Psychotherapie
Schmidt studierte sowohl Medizin als auch Volkswirtschaftslehre – eine ungewöhnliche Kombination, die seine spätere Arbeit stark prägte. Er war Teil der Heidelberger Schule um Helm Stierlin, die die systemische Familientherapie in Deutschland etablierte.
Parallel dazu lernte er bei Milton Erickson in den USA und war fasziniert von dessen respektvoller, kreativer und zutiefst ressourcenorientierter Haltung.
Die Entstehung des hypnosystemischen Modells
In den frühen 1980er-Jahren begann Schmidt, systemische Konzepte mit Ericksons Hypnotherapie zu verbinden. Daraus entstand ein integratives Modell, das heute in Coaching, Therapie, Organisationsentwicklung und Führung weit verbreitet ist.
Seine Arbeit ist geprägt von:
konsequenter Ressourcenorientierung
der Integration bewusster und unbewusster Prozesse
der Arbeit mit inneren Anteilen
körperbasiertem Erleben
einer klaren, wertschätzenden Sprache
Humor, Leichtigkeit und Präzision
Institutionen und Wirkung
Schmidt ist Mitgründer und ärztlicher Direktor der sysTelios Klinik in Siedelsbrunn, einer Klinik für psychosomatische Gesundheitsentwicklung, die nach hypnosystemischen Prinzipien arbeitet.
Er leitet ausserdem das Milton-Erickson-Institut Heidelberg, das zu den renommiertesten Ausbildungsinstituten im deutschsprachigen Raum gehört.
Sein Einfluss reicht weit über die Psychotherapie hinaus – in Coaching, Führungskräfteentwicklung, Organisationsberatung und Gesundheitsmanagement.
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Ein Blick in die Geschichte: Von Erickson bis heute+
Die Wurzeln: Milton H. Erickson
Milton Erickson (1901–1980) revolutionierte die Hypnotherapie, indem er sie von einem autoritären Verfahren zu einer kreativen, individuellen und zutiefst respektvollen Methode transformierte.
Erickson ging davon aus, dass Menschen bereits alles in sich tragen, was sie für Veränderung brauchen – sie müssen nur wieder Zugang dazu finden.
Seine Arbeit war geprägt von:
Metaphern
Geschichten
indirekten Suggestionen
der Nutzung von Ressourcen
der Aktivierung unbewusster Kompetenzen
Erickson war überzeugt:
„Jeder Mensch hat die Fähigkeiten, die er braucht – er hat nur manchmal den Zugang verloren.“
Die systemische Wende
Parallel dazu entwickelte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren die systemische Therapie.
Sie stellte die Frage:
„Wie entsteht ein Problem im Kontext eines Systems – und wie kann das System neue Muster entwickeln?“
Diese Perspektive veränderte die Psychotherapie grundlegend.
Die Integration: Hypnosystemische Konzepte
Gunther Schmidt verband beide Welten und entwickelte ein Modell, das sowohl innere Prozesse als auch äussere Kontexte berücksichtigt.
Es entstand ein Ansatz, der Menschen nicht als „Problemträger“, sondern als kompetente, kreative Wesen betrachtet, die in bestimmten Situationen feststecken – und wieder in Bewegung kommen können.
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Die Kunst offener Fragen im hypnosystemischen Coaching

Offene Fragen sind eines der kraftvollsten Werkzeuge im hypnosystemischen Arbeiten.
Sie öffnen Räume, statt Antworten vorzugeben.
Sie aktivieren innere Suchprozesse, statt Lösungen zu diktieren.
Sie laden ein, neue Perspektiven zu entdecken.
Warum offene Fragen so wirksam sind
Offene Fragen:
aktivieren das Unbewusste
fördern Selbstwirksamkeit
schaffen neue Bedeutungsräume
ermöglichen Perspektivwechsel
stärken innere Autonomie
Sie sind nicht analytisch, sondern einladend. Nicht drängend, sondern neugierig.Nicht wertend, sondern respektvoll.
Beispiele für hypnosystemische offene Fragen
„Woran würden Sie als Erstes bemerken, dass ein hilfreicher innerer Zustand wieder da ist?“
„Welche Ihrer Fähigkeiten könnten in dieser Situation besonders nützlich sein – vielleicht sogar solche, die Sie lange nicht genutzt haben?“
„Wenn ein weiser innerer Anteil Ihnen einen Rat geben würde – was könnte er sagen?“
„Welche kleinen Schritte wären heute schon möglich?“
„Welche innere Bewegung würde sich stimmig anfühlen – selbst wenn sie noch ganz klein ist?“
Solche Fragen wirken wie Einladungen an das innere System, neue Wege zu erkunden.
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Die Rolle des Körpers im hypnosystemischen Coaching
Statt des Begriffs Embodiment verwenden ich hier bewusst körperbasiertes Erleben – ein Ausdruck, der die Verbindung zwischen inneren Prozessen und körperlichen Empfindungen klar und sanft beschreibt.
Der Körper ist ein Resonanzraum für innere Zustände. Er zeigt, was Worte manchmal nicht ausdrücken können. Er reagiert auf Stress, Entspannung, Angst, Freude, Klarheit und Verbundenheit. Im hypnosystemischen Coaching wird der Körper nicht als „Instrument“ genutzt, sondern als weise Quelle von Informationen.
Beispiele:
Atemveränderungen
Muskelspannung
Wärme oder Kälte
innere Bewegungsimpulse
Veränderungen in der Haltung
Körperbasiertes Erleben hilft, innere Prozesse zu verankern und neue Zustände spürbar zu machen.
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Warum hypnosystemisches Coaching so wirksam ist
1. Es aktiviert innere Ressourcen
Menschen erleben sich wieder als handlungsfähig – nicht, weil der Coach etwas „tut“, sondern weil sie selbst wieder Zugang zu ihren Fähigkeiten finden.
2. Es arbeitet mit bewussten und unbewussten Prozessen
Das macht Veränderung nachhaltiger und tiefer.
3. Es ist zutiefst respektvoll
Der Coach führt nicht, sondern begleitet. Er lädt ein, statt zu drängen. Er würdigt, statt zu bewerten.
4. Es ist lösungsorientiert
Der Fokus liegt auf dem, was möglich ist – nicht auf dem, was fehlt.
5. Es integriert Körper, Emotionen und innere Bilder
Körperbasiertes Erleben, Imagination und Sprache wirken zusammen.
6. Es ist kreativ und flexibel
Metaphern, Geschichten, innere Anteile, Trance – all das kann genutzt werden, wenn es hilfreich ist.
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Ein Ansatz, der Menschen in ihrer Ganzheit sieht
Hypnosystemisches Coaching ist mehr als eine Methode – es ist eine Haltung.

Eine Haltung, die Menschen in ihrer inneren Vielfalt würdigt.
Die Ressourcen sichtbar macht, die oft im Schatten liegen.
Die neue Perspektiven eröffnet, ohne alte zu entwerten.
Die Veränderung ermöglicht, ohne Druck auszuüben.
Gunther Schmidt hat mit seinem hypnosystemischen Modell einen Ansatz geschaffen, der weit über Therapie hinaus wirkt – in Coaching, Führung, Organisationsentwicklung und persönlicher Transformation.
Offene Fragen, körperbasiertes Erleben und die Integration bewusster und unbewusster Prozesse machen diesen Ansatz zu einem kraftvollen Weg, innere Klarheit und Selbstwirksamkeit zu stärken.




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